ERFAHRUNGSBERICHTE

Hier finden sie Erfahrungsberichte zur Problematik
Demenz im Krankenhaus

Ich veröffentliche auf dieser Seite sowohl negative als auch positive Erfahrungen dementiell erkrankter Menschen in den Krankenhäusern.

Dabei geht es nicht um die Denunziation bestimmter Institutionen. Im Vordergrund steht viemehr der Erfahrungsaustausch um dieses Thema publik zu machen.


Negativ-Berichte

Zu wenig Personal und hohe Kosten für Demenzkranke
Mit großem Interesse habe ich die Berichte gelesen und stelle keinen Unterschied in der Betreuung demenzkranker Menschen zwischen Krankenhaus und Altenheim fest. Im Altenheim geht es nur den Menschen noch ausreichend gut, die 1. selbst noch denken können und ihre Wünsche zum Ausdruck bringen, auch mal sich negativ äußern und es ihren Angehörigen mitteilen können, die sich dann dafür einsetzen und eine Klärung herbeiführen. Es gibt auch umfangreiche Therapieangebote in Heimen, doch nur für die Menschen, die es noch einigermaßen mitbekommen.
Die wirklich der Hilfe bedürfen, da sie nicht mehr einordnen und zuzordnen können, steht keine Pflegekraft zur Verfügung, die sich derer in der Zeit annimmt, während die anderen Bewohner in der Beschäftigungstherapie ihre Versorgung haben.
Meine Mutter ist z. Zt. nach einem Sturz ans Bett gefesselt und bei der Bettnachbarin habe ich den Pflegeweg bis zum Tod auch verfolgen können und weiß, daß nur geringe Zeit für die erforderlichen in der Kurve zu notierenden Tätigkeiten da ist. Es ist für Zuwendung oder ausreichend Trinken und Essen geben keine Zeit. Ich eile täglich ins Heim um meiner Mutter in Ruhe wenigsten eine Mahlzeit verabreichen zu können.
Es liegt oft sicher nicht an der Gleichgültigkeit des Personals, sondern an dem zu geringen Personal. Es weiß eine ganze Gesellschaft um den Pflegenotstand aber es ändert sich nichts.
Wir schreiben und diskutieren um uns Luft zu machen, es ist aber noch nach keiner Reform besser geworden.
Durch den Sturz war meine Mutter für 4 Tage im Krankenhaus und ich habe die Erfahrung gemacht, daß schon darauf geachtet wurde, ob Essen und Trinken eingenommen werden. Das war bei meiner Mutter nicht der Fall und man gab ihr Flüssigkeitszufuhr in Form eines Tropfes. Ich habe meine demente Mutter mal wieder aufhellend erlebt. Jetzt nach 1 Woche wieder Heimaufenthalt ist alles wieder dahin, keine Zeit, keine ausreichende Versorgung.
Solange in Heimen für die hinfälligen Menschen mehr Pflegegeld gezahlt wird als für die Aufrechterhaltung der Gesundheit der Bewohner wird sich auch nichts ändern. Die Würde des Menschen ist nicht gewährleistet.

Meine Mutter, mit Alzheimer-Demenz im Anfangsstadium (übergehend ins mittlere Stadium), wurde vor einigen Wochen zur Abklärung von Anämie im Krankenhaus auf der Station für innere Krankheiten aufgenommen.

Es begann ein Horrortrip für uns alle. Die Ärzte sowie Pflegerinnen/Krankenschwester waren überhaupt nicht auf den Umgang mit Demenzerkrankten ausgebildet bzw. eingestellt.
Schon bei der Aufnahme wurde unsere notarielle Betreuungsverfügung und Bitte, Untersuchungen sowie deren Ergebnisse mit uns Angehörigen und Mutter gemeinsam abzusprechen, nicht berücksichtigt. Ich bekam zur Antwort, dass meine Mutter doch noch sehr pfiffig und entscheidungsfähig wäre. Auch mein Hinweis, sich mit den behandelnden Hausarzt in Verbindung zu setzen, um sich abzusichern, dass meine Mutter in Gesundheitsfragen nicht mehr entscheidungsfähig sei, wurde nicht berücksichtigt. Man führte mit meiner Mutter alleine Gespräche bzgl. Krankheitsbildern und Medikamente. Sie war nicht in der Lage korrekte Auskünfte zu geben und war mit den ganzen Fragen vollkommen überfordert. Erst nachdem ich mit rechtlichen Schritten gedroht habe, wenn weiterhin die Vollmachten nicht durch das Krankenhaus berücksichtigt würden, kooperierten die Ärzte mit uns.
Das Ganze hat sich leider über eine Woche hingezogen, bis sich die Ärzte mit uns gemeinsam besprochen haben. Seltenst hatte ein Arzt Zeit, sich überhaupt mit uns Angehörigen über geplante Untersuchungen bzw. auch deren Ergebnisse zu unterhalten.

Mein Vater und ich wechselten uns in zwei Schichten ab um meine Mutter im Krankenhaus zu betreuen. Sie litt an starken Panikattacken vor den Untersuchungen. Seitens der Ärzte bekam sie trotz unserer Bitten in der ersten Woche kein Beruhigungsmittel. Sie wurde mit Panikattacken zu den Untersuchungsräumen geschoben und dort mit Wartezeit von 1-2 Std. einfach stehengelassen bis die Ärzte die Untersuchungen durchführten. Nachdem ich mit der Klinikleitung „gedroht“ hatte, gab man ihr ein leichtes Beruhigungsmittel, wodurch sich der Zustand meiner Mutter zumindest psychisch besserte.

Nun zu der nicht vorhandenen Pflege/Betreuung durch die Krankenschwestern.
Ich gab der Oberschwester am ersten Tag eine Liste mit Tätigkeiten, wo meine Mutter Hilfe bzw. Unterstützung benötigte. Ich bekam zur Antwort, dass man zurzeit personell unterbesetzt sei und man diese Hilfen nicht durchführen könnte. Tatsächlich erhielt meine Mutter auch keinerlei aktivierende Hilfe beim morgendlichen Waschen und Anziehen. Es achtete keiner darauf, dass sie morgens und abends die Vorlagen wg. leichter Inkontinenz wechselte. Sie wurde 10 Tage überhaupt nicht geduscht (das habe ich dann gemacht, weil sie schon ziemlich streng roch). Beim Essen hat sie teilweise trockenes Brot morgens und abends gegessen, weil sie die kleinen Portionsdöschen nicht aufbekommen hat und sich das nicht schmieren konnte.
Beim Mittagessen hatte sie Probleme beim Fleisch schneiden, keiner half ihr und sie konnte es nicht essen. Da hat niemand drauf geachtet. Das ging zum Glück nicht allzu lang so, bis mein Vater und ich uns in zwei Betreuungsschichten abgewechselt haben. Wir achteten und prüften die Medikamente, die mehrmals unvollständig waren. Auf Nachfragen kam die Antwort, ach , da hat die vorherige Schicht die Tabletten nicht korrekt zusammengestellt.
Teilweise wurden Medikamente ohne Rücksprache mit uns Angehörigen einfach abgesetzt wie z.B. Herztabletten oder Diabetes-Medikamente. Neue Medikamente wurden einfach verordnet ohne uns zu informieren und über die Nebenwirkungen aufzuklären. Trotz mehrmaliger Anweisung an die Ärzte sich mit uns abzustimmen, wurde das nicht berücksichtigt.

Alles in allem war es für alle eine sehr aufreibende stressige Zeit und wir waren froh, als meine Mutter nach 2 ½ Wochen aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Nie wieder werden wir Sie auf eine "normale" Station bringen. Nur noch auf eine Dementen- bzw. Geriatrie-Station

 

Meine Mutter, die eine schwere Alzheimer-Demenz hat, liegt nunmehr seit vergangenem Donnerstag im Krankenhaus, in der geschlossenen psychiatrischen Abteilung. Meine Mutter wohnte bis Dezember letzten Jahres noch bei meiner Familie und mir und lebt seitdem im Pflegeheim auf einer Demenz-Station. Anfangs lief es ganz gut dort und sie fühlte sich nicht unwohl. Sie wird bzw. wurde mit Exelon, Risperdal und Melperon behandelt. Wahrscheinlich durch Risperdal bekam sie eine extreme Körperschieflage einhergehend mit akuter Sturzgefahr. Daher wurde Risperdal reduziert, was möglicherweise zu einer extremen Aggressivität gegenüber anderen Mitbewohnern und dem Pflegepersonal führte. Als die Situation eskalierte, wurde meine Mutter vom ärztlichen Notdienst in die Klinik in die geschlossene Abteilung der Psychiatrie verlegt.

Und da komme ich nun zu unserem Problem: Die Ärzte und Pfleger sind nur in Maßen bemüht, meine Mutter ist dort einfach nicht am richtigen Ort. Es sind hauptsächlich junge Patienten mit psychischen Störungen und das Pflegepersonal hat kaum Zeit, auf meine Mutter - die ja in Pflegestufe 3 ständig Betreuung und Beaufsichtigung braucht - einzugehen. Als ich vergangenen Samstag zum täglichen Besuch kam, war meine Mutter wegen Sturzgefahr am Bett fixiert und als wir die Decke zurückschlugen, hatte sie keine Hose an. Die Tür war zu, niemand hätte sie rufen hören! Sie lag einsam in ihrem Zimmer, hatte ständig große Angst und Unruhe und ist damit völlig alleine.

Wir gehen jeden Nachmittag in die Klinik. Jedes Mal müssen wir ihr als erstes frische Windelhöschen anziehen, da sie bis aufs Hemd durchnässt ist. Sie ist meist ohne Schuhe unterwegs, schweiß-gebadet und hat am ganzen Körper blaue Flecken (teilweise von einem Sturz, teilweise von Spritzen usw.). Mittlerweile wurden alle Medikamente abgesetzt (Risperdal immerhin in 2 Tagen ausgeschlichen!!!), um ab heute oder morgen ein neues Medikament auszuprobieren. Meine Mutter hat seit Tagen kaum geschlafen und kann kaum noch gehen vor körperlichen Schmerzen, findet aber auch keine Ruhe sich zu setzen oder zu legen.

Einmal bot sich uns beim Besuch wieder ein erschreckendes Bild. Sie war bei unserer Ankunft alleine im (eingezäunten) Garten. Man hatte ihr gesagt, dass sie klingeln könne, wenn sie wieder rein wolle. Natürlich wusste sie das 2 Schritte später nicht mehr. Als wir kamen, war sie vor Panik nass-geschwitzt und völlig verwirrt. Sie läuft sehr gebeugt und erkennt mich (zum ersten Mal seit Ausbruch bzw. Diagnose der Krankheit) nicht mehr. Die behandelnde Ärztin war über meine Beschwerde überrascht, da meine Mutter nicht allein in den Garten dürfe ...

In ihrem Zimmer stehen Wasserflaschen und Becher, allerdings wird nichts in den Becher eingegossen. Sie hat nach meiner Ankunft vier Becher Wasser hintereinander weg getrunken! Dem Pflegepersonal fehlt dazu wohl einfach die Zeit bzw. auch das Wissen (oder die Lust?). Ein Beispiel: Eine Schwester sagte in meinem Beisein zu meiner Mutter, dass sie ihr das doch heute Morgen schon erklärt hätte ...

Zudem beschweren sich bei mir die anderen Patienten (in absoluter "Gossensprache"), dass meine Mutter nerve, weil sie immer hinterher laufe und sich am Arm einhängen wolle. Da ich deren Reaktionen nicht einschätzen kann, macht mir das Angst.

Gestern haben wir dann bei unserem Besuch meine Mutter von weitem schon im Garten umher irren sehen, ohne Schuhe und Jacke. Da sie beim Laufen immer ausruht, legte sie sich einfach auf den nassen, erdigen Boden! Bis wir ums Gebäude herum und auf Station waren, sahen wir noch, wie ein anderer Patient meiner Mutter beim Klingeln half und sie wieder in die Station kam, völlig verdreckt und nass - und das nicht nur vom schlechten Wetter! Die Schwester, die ich darauf hinwies, dass meine Mutter nicht in den Garten dürfe, sagte nur, dass sie eine Woche nicht da war, sie wüsste nichts. Die Ärztin sagte bei meiner Beschwerde, dass sie ja schließlich nicht überall sein könnte. Ich solle doch bitte das Pflegepersonal direkt ansprechen. Na toll!

Ich habe versucht, per Mail einen Platz für meine Mutter in der gerontopsychiatrischen Abteilung zu bekommen, aber leider ist kein Bett frei (es sei denn, man ist privat versichert ...). Die behandelnde Ärztin hat aus ihrer Sicht auch nichts einzuwenden, wenn meine Mutter zurück ins Pflegeheim ginge, sie wäre nicht mehr aggressiv! Im Pflegeheim können sie natürlich meine Mutter nicht aufnehmen, so lange sie nicht auf neue Medikamente eingestellt ist. Sie hat ja immerhin 3 Mitbewohner verletzt (2 gebrochene Arme und eine Platzwunde!).

Ich fühle mich weder von der Ärztin noch vom Pflegepersonal (bis auf Ausnahmen) gut beraten bzw. wird meine Mutter ausreichend betreut, habe aber keine Möglichkeit, meine Mutter an einem anderen Ort unterzubringen. Laut behandelnder Ärztin ist das der beste von allen schlechten Orten für meine Mutter ...

 

Demente Mutter eines Bevollmächtigten wird wegen ausgekugeltem Oberarm in das nächstbeste KKH eingeliefert. Der Doc gleich nach der Erstversorgung: Was soll das teure Zeug bewirken (gemeint sind die beiden von einem guten Neurologen verordneten Antidementiva), das braucht die Frau nicht und setzt sie abrupt ab. Der Bevollmächtigte erfährt die Einlieferung erst nach Stunden, von der medikamentösen Schweinerei erst Wochen danach, als ihm der Absturz augenfällig wurde und er nachfragte!


Positiv-Berichte

Frau E. (allein lebend) hat 2005 Thrombose, wird auf meine Veranlassung direkt in die Geriatrie eingewiesen, Thrombose und Demenz wird bestens behandelt, nach 3 Wo gebessert entlassen.
Sofort habe ich Kontakt zur Chefärztin gesucht und um 15 min gebeten. Ich wollte ihr außer über Erika zu reden auch unsere Aktivitäten in den SHGn vorstellen und um eine gute Zusammenarbeit bitten - es wurden 90 min und zwischendurch kam auch der OA noch dazu um den "Herrn G. kennenzulernen".

Es war der Anfang einer segensbringenden Kooperation. Zwischenzeitlich hat die Chefärztin in 2 SHGn Vorträge mit folgendem gemeinsam gesteckten Ziel gehalten (der 3. Vortrag in einer weiteren SHG ist schon festgelegt): Heimleiter, PDL und besonders die Bevollmächtigten darauf einzuschwören, keiner Einweisung in eine "normale Station" wie Chirurgie oder Inneres zuzustimmen. Demente gehören IMMER in eine geriatrische Klinik.

Einweisende Ärzte missachten noch viel zu oft diese schöne Möglichkeit und stecken ihre Patienten ohne Rücksicht auf die Demenz in das "Nächste erreichbare KKH" - warum eigentlich nicht in eine Kinderklinik, wenn die näher liegt? Das ist ein Skandal!

 

Anruf an eine Selbsthilfegruppe:
"Mein Mann hat Lungenentzündung und liegt in der Inneren, die Schwestern holen das nicht angerührte Essen wieder ab, können sie da was machen?" - Natürlich, Anruf beim OA - und anderntags liegt der Patient in der Geriatrie.


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